KUBA

LIEBES TAGEBUCH | CARAMELLO UND DIE MOGOTES VON VIÑALES

„Nur nicht kotzen“ ist mein Leitgedanke an dem Tag an dem wir Havanna gegen Viñales eintauschen. Mein Magen weckte mich schon vor 7 mit einer unerfreulichen Nachricht. Danke auch, auf die News hätte ich getrost verzichten können. Wir machen uns auf Richtung Bushaltestelle, in der Hoffung noch zwei Tickets für den Viazul-Bus ergattern zu können. Pustekuchen. Wir befinden uns an der Station für „Omnibus National“ und da herrscht strikte Rassentrennung: nur Kubanern ist es erlaubt, hier mitzufahren. Na toll. Ich denke mir noch „Nur weil ich kein richtiges Spanisch spreche und wie ein verdammter Tourist aussehe, heißt es noch lange nicht, dass ich keine Kubanerin bin.“ Pfft. Immer dieses oberflächliche Urteilen. Und jetzt auch noch Regen und eklige Gerüche. Zehn Minuten später sitzen wir in einem Opel, der droht, bis zur nächsten Ampel auseinander zu brechen. Aber so schnell geht das in diesem Land  – auch in der aussichtslosesten Situation kommt irgendeiner daher, der sich mit Taxivermittlung ein paar Pesos dazuverdient. Wie bei einem kleinen Drogendeal rennt der alte Mann nervös von einem Eck zum anderen, verhandelt hier, verhandelt dort,und im Nu werden wir zu unserem Taxi gebeten. Um den Kofferraum zu öffnen, behilft man sich eines Holstocks und auf Innenverkleidung verzichtet man bewusst. Das Wetter ist schön und mir ist immer noch kotzübel. Wir halten kurz mitten auf der Autobahn – unser Fahrer hat seinen Bruder auf der anderen Straßenseite entdeckt. Klar, wieso nicht. Familie ist das Wichtigste. Meine Übelkeit lässt keine richtige Freude zu, aber das sieht aus wie die Pampa, die ich herbei gesehnt habe. Wir sind da. Mit den letzten Teilen Energie begrüße ich unsere Gastgeberin Felicia, hinter ihr eine kleine Horde Hühner und lautes Hundegebell. „Ohhhhlaaaaa.“ Felicia küsst und umarmt uns als wären wir die Kinder, die ihr kurz nach der Geburt genommen wurden – die Vibes stimmen. Kurze Zeit später sitzen wir mit Welcome Drink auf der Veranda und fragen uns wo zum Geier wir sind und wo Viñales wohl sein könnte.

Wenig später machen wir uns auf, um das Dorf zu erkunden und plötzlich erstreckt sich das ganze Tal vor unseren Augen. Geprägt von einer einmaligen Schönheit. Dieser Planet überrascht einen immer wieder!

Und wie genau kommen wir von hier nach Vinales-“Stadt”? Am besten per Anhalter. Die Menschen hier erweisen sich als sehr stolz und haben Null Interesse einen auszunehmen. So fahren wir die Nächsten 3 Tage zwischen Vinales und unserer idyllischen Pampa für umme per Anhalter. Im Dorf selbst gibt es haufenweise Restaurants und Kneipen, langweilig werden kann einem hier wirklich nicht.

Am nächsten Tag wollen wir auf einem wohlgenährten Nachbarspferd das Tal erkunden, an den Tabakpflanzen riechen und vielleicht eine ganz dicke Zigarre rauchen. Caramello – so der Name meines Gauls. Es fühlt sich an als kannten wir uns seit Kindesbeinen. Wir reiten durch üppige Waldabschnitte und ich frage mich was so ein Pferd sich wohl dabei denkt. Ein paar Minuten später erleide ich eine Art Systemzusammenbruch und kotze auf dem Feld. Ups. Ich hatte es gerade so geschafft, Caramello außer Gefahr zu bringen und in einer fragwürdigen Sprachenkombi samt Besitzer und Geschwister nach Hause zu schicken. Erbrochenes in so einem Pferdefell macht sich bestimmt nicht gut bei 30 Grad. Meine bessere Hälfte schafft es wie ein Pro mich bis zur nächsten Straße zu schleifen, wo wir von einem Auto aufgesammelt und heimgebracht werden. Die Menschen verstehen sofort dass die Kacke im wahrsten Sinne am Dampfen ist und fahren uns direkt vor die Haustür. Ich bin sehr dankbar und schon längst in love mit Kubas Menschen, tue mir aber dezent schwer, meine Dankbarkeit auszudrücken. Ich lege mich ins Bett und schlafe 4 Stunden. Danach gibt mein Immunsystem wieder vollgas. Reisen ist eben kein Zuckerschlecken.

Den Tag drauf verbringen wir auf Cayo Levisa und ich bin wieder die Alte, nur mit weniger Fett im Körper. Muah, mehr geht nicht.

Zurück in Viñales machen wir noch eine kleine Wanderung durch das abgefahrene Tal und es kommt uns so vor als hätte uns jemand in den wilden Westen gebeamt. Nur ist die Pistole hier kein Must-Have, sondern die Zigarre im Mundwinkel.

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.