MÜNCHEN

EINE ODE AN MÜNCHEN

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Das hat sich Goethe seinerzeit schon gefragt, und das frage ich mich auch manchmal. Vor allem, wenn ich mich davon überzeugen möchte, im Besitz einer bescheidenen Persönlichkeit zu sein, die nicht immer nach Mehr, oder sagen wir Meer, streben muss.  Und da der Winter sich mitten in seiner Verabschiedungsphase befindet und alles wieder zum Leben erwacht, meine Wenigkeit inbegriffen, breitet sich langsam die Vorfreude aus. Auf all das, wofür ich München so liebe.

The one and only Isar

Ob ein kleines Picknick, eine fette Grillorgie, bei der man nie in Ruhe zum Essen kommt, oder einfach nur der Versuch in seichtem, aber dafür eiskaltem Wasser zu baden – die Isar bietet die perfekte Plattform für alles. Wenn man nicht gerade am Flaucher liegt, wie ca. 12.928 andere. Fährt man nur ein paar Hundert Meter weiter, teilt man die hübsche Natur mit nur 11.921 anderen! Wenn das mal kein Tipp ist! Nein… tatsächlich gibt es sie, die ruhigen, einsamen Fleckchen, wo man sein Gegenüber noch erkennen kann, weil es nicht gänzlich in Grillrauch untergeht und man sich, ohne großartig aufzufallen seiner Kleidung entledigen kann, um in Ruhe und frei von äußeren Einflüssen, zu meditieren. Aber ohne Fleiß kein Preis – wie immer im Leben –  muss man dafür ein bisschen aus der Stadt rausfahren. Am besten mit dem Fahrrad. Wo wir auch schon beim nächsten Muss bei Schönwetter in München angekommen wären.

Fahrradtouren

Einmal um den Starnberger See mit Stopp im Biergarten, wo man seinen übersäuerten Beinen eine Pause gönnen kann und für den Moment mal nicht seine Freunde und die Welt verflucht, sich zu so etwas überreden haben zu lassen. Natürlich erst nachdem man eine halbe Stunde angestanden hat, um einen Platz zu bekommen. Im dritten Biergarten. Hach, gibt es irgendwas Schöneres? Erstmal einen Haufen Kalorien los werden, um dann ein Riesenschnitzel oder nen Berg Käsespätzle zu verspeisen und sich zu fragen, wie man mit diesem Klotz im Bauch jemals auch nur einen Meter weiterfahren soll. Standard!

Sich im Eisbach treiben lassen

Wenn an der Isar viel los ist, platzt der Englische Garten bei Schönwetterlage aus seinen Nähten. Aber niemals würde ich es mir nehmen lassen, wenigstens an einem der 3 deutschen Sommertage dieser Art, mir die neuesten Trends in Sachen Fashion, Sonnenbrillen, Bärte von heissen frisch Immatrikulierten präsentieren zu lassen. Und dann der Jump in den gefühlt 6 Grad warmen Eisbach, um sich satte 20 Sekunden treiben zu lassen, ehe man sich  irgendwo am Arsch der Ella mehr oder minder elegant aus dem Wasser zu retten versucht. Auf dem Heimweg muss man dann aber nicht länger als 20 Minuten für einen Frozen Yoghurt zu einem Schnäppchenpreis von 5 € anstehen. A Draum!

Eis essen am Gärtnerplatz

Kaum gibt es die ersten Sonnenstrahlen, hat auch schon jeder Eisladen in München geöffnet. Verständlich. Wie ich mich schon darauf freue, im Del Fiore ne vegane Kugel vom jungen Kokosnuss Sorbet zu ordern und es im Stehen schon gegessen zu haben, ehe ich am Gärtnerplatz einen freien Quadratmeter finde, um anschließend suuuuperchillig die halbe Nacht auf einer Verkehrsinsel zu verbringen. That’s so Munich! So ein Abend wäre natürlich niemals komplett ohne einen Absacker in der nahegelegenen Robinson’s Bar, in der man sich aufgrund der gewohnten Münchner Arroganz, ohne die einem schon was Spanisch vorkommt, immer wie dahoam fühlt.

Open Air Festivals

Uhr gestellt für den Ticketvorverkauf und trotzdem keine der 12 Early Bird Tickets ergattern können? Kein Problem, wenn ihr in den nächsten 2 Sekunden bestellt, dann habt ihr noch gute Chancen für Early Bird 2. Ansonsten erwirbt ihr die Tickets eben zum Normalpreis. Endlich wieder unter freiem Himmel abspacken gehört zu meinen absoluten Lieblingstätigkeiten im Sommer. Gerade weil man keine 20 mehr ist und diese Parties schon meist am frühen Nachmittag losgehen. Yeah! So hat man noch vor Mitternacht seine Bettroutine hinter sich gebracht und die Wandersachen für morgen schon rauslegen können.

Wandern gehen

Dass man es mit einem schönen Tag zu tun hat, merkt man spätestens beim Einsteigen in die BOB – die in Heimatfarben designte bayerische Oberlandbahn. Nur wer Glück hat, erlangt dann nämlich noch einen Platz auf dem Boden und kann seine Frühstücksbrezn in Ruhe essen. Die freundliche Dame vom Ansagenapparat sagt was von Tegernsee. Prompt steigen alle aus. Sehr praktisch für Leute, die sich nicht auskennen: einfach der Masse nach. Aber egal, welche Richtung man einschlägt, spätestens auf der Alm sieht man die Gleichgesinnten in der Essensschlange wieder. Dann heißt es aber ganz in Ruhe: Vorgekochtes zu außergewöhnlichen Preisen genießen und stolz auf sich sein. Und alle, die mit dem Auto angereist sind, können hier nochmal Arme und Beine ausstrecken, bevor sie die 2 stündige Rückreise in die Stadt antreten.

Man kann diese Stadt einfach nur lieben! Und das meine ich verdammt ernst.

2 Kommentare

  1. Ich wollte grade an das nächste Open Air Festival erinnern. Mit Oberländer. Zudem wir nach der Grillorgie radeln. Aber verdammt, Du bist gar nicht da. 🙁

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