GUATEMALA

ÜBER DEN WOLKEN. AUF EINEM VULKAN. ZU FUSS.

In Guatemala ist für jeden Vulkanfan der richtige Vulkan dabei. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie man heraus findet, welcher Vulkan für einen der Richtige ist. Das entscheidet a. die Zeit, die ihr für die Besichtigung oder Besteigung eines Vulkans habt, b. euer Fitnessgrad und c. euer innerer Schweinehund. Wollt ihr einen halbtätigen Ausflug, könnt ihr eine Tour zum Pacaya buchen. Hier erwartet euch ein kurzer Aufstieg von 1,5 Stunden. Seid ihr allerdings eher abenteuerlich veranlagt und wollt wirklich was erleben, so wandert ihr auf den Acatenango, einen, mit einer Höhe von 3976 Metern der größten Vulkane Guatemalas. In Antigua wird diese Tour praktisch an jeder Ecke angeboten. Wir haben im Reisebüro eines kleinen Hostels gebucht (ich meine es waren 36$ pro Nase) und waren mit der Organisation eigentlich rundum zufrieden. Es geht allerdings noch besser (wie ich später lesen durfte), mit Gilmer zum Beispiel. Hier werden nicht mehr als 8 Personen auf die Tour genommen und das Geld geht direkt an ihn und sein Dorf – ohne einer Agentur die Taschen zu füllen. 300 Q sollen Touren bei ihm kosten. Einfach unter sologui5630@gmail.com anmailen und fragen, wann er Touren macht.
 

Wie lief das Ganze jetzt ab?

Wir wurden am ausgemachten Ort um ca. 9 Uhr mit dem Kleinbus abgeholt. Nachdem alle Teilnehmer vollständig waren, ging es ca. 45 Minuten lang über sehr holprige Straßen zum Startpunkt. Dort wehte auch temperaturtechnisch ein anderer Wind, es war aber immer noch angenehm warm. Da fragt man sich schon, warum einem ein Haufen Einheimische dort Mützen und Handschuhe verkaufen wollen. Stellt euch die Frage nicht, kauft sie! Oder noch besser, packt einfach eure eigenen ein! Denn ihr werdet beides mehr als brauchen, auch wenn man sich das, im T-shirt stehend bei 25 Grad nicht vorstellen kann! Ohne Handschuhe hätte ich den Trip vermutlich nicht überlebt, denn oben kann es durchaus Minusgrade haben, auch mitten im Sommer. Aber das hält euch natürlich nicht von dieser unbeschreiblichen Erfahrung ab! Hier bekommen auch alle ihre Ausrüstung – man muss seine Schlafmatte, seinen Schlafsack, seine Lunchbox selbst nach oben schleppen. Also sonst außer warmer Kleidung nichts mitnehmen! Beim Tragen des Zeltes kann man sich mit den anderen abwechseln, wir alle haben in 2 Zelte gepasst.

Los geht’s!

Die Strecke verlangt einem direkt am Anfang schon was ab, es werden aber auch viele Pausen gemacht und mit ein bisschen Willen ist das Ganze schon machbar. Die Strecke ist sehr schön, es geht aber direkt steil los. Gott sei Dank darf regelmäßig Pause gemacht werden. Stärkung ist ein Muss. Wer genau hinguckt wird einen unserer Ex-Nationalspieler auf dem Bild erkennen. Für Arne Friedrich war die Wanderung wahrscheinlich ein Klacks.

Nach ca. 5 Stunden erreichen wir unsere Base. Hier werden die Zelte aufgestellt und Feuer gemacht. Wir erwärmen uns mit Tee und es gibt Abendbrot. Dass das Sandwich nach Nichts schmeckt, fällt kaum auf. Nehmt euch dennoch ein paar geile Snacks mit – ihr werdet sie in diesen Momenten feiern! Von der Base aus hat man schon einen Wahnsinnsblick auf den Fuego, der im fast schon pünktlichen Intervall von 20 Minuten ganz schön laut brüllt und Lava spuckt.

     

     

Es ist ungefähr mehr als abgefahren dieses Naturereignis aus nächster Nähe bewundern zu dürfen. Man hat durchaus Respekt und an Schlafen ist eigentlich fast nicht zu denken. Wir liegen wie Sardinen aneinander gekuschelt im Zelt, es ist arschkalt, und man hat ohnehin die ganze Zeit Panik, DEN Ausbruch zu verpassen.

Um 3 Uhr morgens starten wir die letzte Etappe. Ziel ist es, zum Sonnenaufgang den Gipfel des Acatenango zu erklimmen. Stirnlampe ist hier sehr von Vorteil, ansonsten tut es auch die Handy-Taschenlampe, denn sonst sieht man kaum worauf man tritt.

Von der Base brauchen wir ca. eine Stunde bis nach ganz oben und ich bereue die ganze Idee schon nach den ersten Schritten. Kein festes Auftreten möglich, man läuft quasi auf Sand und Geröll, was den Aufstieg krass erschwert. Zudem weht ein verfickt kalter Wind, der kein Erbarmen kennt. Ich hasse alles. Aber jetzt erst recht! Mit dem Ausblick ablenken, ist das einzige was man gegen die Umstände tun kann, und dem Stolz entgegenfiebern, den man fühlen wird, wenn man es denn endlich geschafft hat!

     

     

Nach einem wirklichen Kampf, ist es geschafft. Ich bin auf 3976 m Höhe und blicke auf den Fuego, die Wolken, die Sonne, die gerade aufgeht und fühle pures Glück, Stolz und Erleichterung.

Dann geht es wieder runter. Die Schuhe voller Sand und Kies, erreichen wir nach ca. 2,5 Stunden wieder den Ausgangspunkt, wo es mit dem Bus wieder ins Warme Antigua geht.

Rückblickend betrachtet war es das mit die  geilste Erfahrung meines Lebens und ich würde es ohne Frage wieder tun!

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.