OMAN

WOOOAAAHHHHHH WADIS!

Selten etwas hat mich auf Reisen so begeistern können, wie Wadis. Und die meisten und schönsten findet man im Oman. Aber fangen wir vorne an. Was überhaupt ist ein “Wadi”? Bayerisches Kosewort für Unterschenkel? Nope.

Wikipedia beschreibt Wadis so: “Ein Wadi ist ein ausgetrockneter Flusslauf, der nur nach starken Regenfällen vorübergehend Wasser führt. Zu einem überraschenden und schlagartigen Wasseranstieg kann es nach einem auch viele Kilometer entfernten Gewitter in einem Wadi mit einem entsprechend großen Einzugsgebiet kommen. Der Aufenthalt in Wadis mit meist steilen Ufern kann daher lebensgefährlich sein.”

Als lebensgefährlich habe ich keinen der Wadis befunden, die ich euch gleich vorstellen werde. Ich war aber weder vor oder an Regentagen im Oman. Denn wenn es dort regnet, dann richtig, und dann könnte Wikipedia auch scheisse recht haben.

Wadi Tayyin

Die erste Dröhnung  Wadi gab es für uns im Wadi Tayyin. Dieser Wadi liegt in der Al Sharqiyah Region und erstreckt sich mit bis zu 80 Kilometern Länge durch das östliche  Hajar-Gebirge an der Straße Bidbid – Sur. Es ist 92 Kilometer von Muscat entfernt. Das breite Tal ist voller Steine, Akazien und kleiner Hügel. Bis zum Dorf Al Subul, wo sich Wadi Tayyin und Wadi Dayqah kreuzen, ist Wadi Tayyin ein kleines Tal. Aber man kommt mit dem Auto weiter als gedacht – wir hatten einen Jeep und konnten somit mehrfach über seichtes Gewässer fahren, ehe wir zum Endpunkt kamen. Hier ging es dann wirklich nicht anders als zu Fuß weiter.

Man steht schnell vor einem kleinen Wasserfall, dessen Wasser sowas von nach Gebirgswasser aussieht, im Gegensatz dazu aber immer so 27, 28 Grad hat. Wenn das nicht reicht, um wunschlos glücklich zu sein, dann weiß ich auch nicht. Rückblickend war es ein ganz besonderes Wadi, in dem ich gerne noch länger geblieben wäre.

Wadi Bani Khalid

Danach ging es auch schon in einen der schönsten und bekanntesten Wadis des Landes: Wadi Bani Khalid. Der Wadi liegt 203 Kilometer von Muscat entfernt. Zu erreichen ist er über die Straße Bidbid – Sur in der A’Sharqiyah Region. Sie zweigt in eine Nebenstraße ab, die in den Verwaltungsbezirk Bani Khalid führt, und sich dann durch die östlichen AlHajar Berge zum Dorf Bida tief ins Gebirge hinauf schlängelt. Von hier hat man eine unvergleichliche Aussicht auf das grüne Tal. Es ist dicht bewaldet und üppig an Wasser. An manchen Stellen ergießen sich Wasserfälle und formen natürliche Wasserbecken.
Die Straße durchschneidet dann das Tal auf ihrem Weg zur Stadt Muqal, die für ihre Höhle bekannt ist. Wer sich diese Höhle hinein traut, sollte  unbedingt reingehen :).  An manchen Stellen muss man zwar kriechen oder sogar klettern, und es hat gefühlt 800 Grad, und 8000 Fledermäuse. Die kleben allerdings alle an der Decke und man muss den Viechern wirklich keine Angst haben (sagt jemand, der vor solchen Viechern ein bisschen Angst hat). Wir hätten gar nicht verstanden, dass man hier rein kann, hätte uns nicht (wie immer) ein netter Omani darauf hingewiesen und direkt begleitet. In der Höhle kann man ganz laut hören, wie das Wasser in die Becken mündet. Aber Achtung: nichts für Platzangstgefährdete!!! Allerdings: nach so einer Höhlen-Sauna kommt der Sprung in eines der Becken noch besser! Und die kleinen Fischchen können es schon kaum erwarten, an einem rum zu knabbern.

Hawiyat Najm Park aka Wadi Sinkhole

Dieses Wadi eignet sich perfekt für eine Abkühlung auf dem Weg von Muscat in den Süden. Man erreicht ihn über die Straße, die Quriat mit Sur verbindet. Er trägt den Namen der natürlichen Wasserstelle Hawiyat Najm. Wie die Einheimischen berichten, ist das tiefe Wasserloch durch den Einschlag eines Meteoriten entstanden. In seinem Krater bildete sich der kleine See. Das abgefahrene – auch hier – man fährt in der trockenen Wüste herum und dann ist da aus dem Nichts das klarste, türkise Wasser, das man sich vorstellen kann!

Wadi Shab

Wadi Shab liegt in der Provinz Tiwi, in der Al Sharqiyah Region  und ist 140 Kilometer von Muscat entfernt an der Küstenstraße zwischen Quriat und Sur. An seiner Mündung treffen die herrlichen Wasserfälle auf das salzige Meereswasser und bilden so ein einzigartiges Naturerlebnis, das diesen Wadi von den anderen Wadis des Sultanats unterscheidet. Man wandert zunächst ca. 40 Minuten und erreicht dann das erste Becken. Hier muss man sein Hab und Gut lassen (oder man ist so klug und hat einen wasserfesten Beutel dabei). An der Stelle sei erwähnt, dass man sich im Oman wirklich keine Gedanken um Diebstahl machen muss. Ein Becken reiht sich an das nächste, zwischendurch muss man klettern und springen. Wadi Shab ist relativ groß und dass einem dort langweilig würde, ist quasi ausgeschlossen. Plant daher mindestens 6 Stunden für diesen Wadi ein. Irgendwann findet man sich in einer Höhle wieder, ein lauter Wasserfall knallt einem um die Ohren. Hier kann man super auf einen Felsen klettern und von dort runterspringen. Im ganzen Wadi Shab kann man überhaupt super Klippenspringen, tut es!

Wadi Bani Awf

Ganz ungeplant landeten wir direkt nach Wadi Shab in diesem Wadi, der sich als der spektakulärste von allen herausstellte. Alleine hätten wir niemals hierher gefunden, aber es fand sich mal wieder ein liebenswerter Omani, der sein Auto im Wadi Shab stehen ließ und mit uns los zog. Diese Menschen! <3 Es war ungefähr die krasseste Straße die ich jemals gefahren bin, das schon mal vorab. Hier braucht man definitiv Allradantrieb und big Balls. Und wenn es um Abenteuer geht, hab ich die in einer Form, von der ich in anderen Zusammenhängen nur träumen kann. Die Straße ist ca. 2 m breit, bei starker Steigung, und es gibt weder Leitplanken noch sonst etwas, das einen, im Notfall, vor dem Bruch aller Knochen schützen könnte. Aber es geht. Irgendwo im nirgendwo angekommen, stellt man seinen Wagen in einem kleinen Dorf ab und dann trennen einen nur noch ein paar üppige Palmen und verwilderte Wege von dem – auf unserer Wadierkundungstour- spektakulärsten Wadi. Zum einen wegen der natürlichen Gegebenheiten, man fühlt sich in eine Märchenwelt gebeamt, aber vor allem, weil kein Schwein da ist! Also bitte macht es, unbedingt, auch wenn es zunächst ein hartes Stück Arbeit ist. In diesem Wadi kommen auch alle Wanderer übrigens voll auf ihre Kosten. Aber Bilder sagen ja bekanntlich eh mehr als 1000 Worte.

Mein Fazit: I fucking love Wadis. Zieh dir bildhaft rein, warum!

     

     

     

     

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