ISRAEL JORDANIEN

EINMAL RUND UM’S TOTE MEER

Abgefahrene Mondlandschaften, Bergformationen, ein totes Meer, ein lebendiges, das 8. Weltwunder Petra und das Beste: Wadis. Eines der geilsten Dinge, die Mutter Natur überhaupt aus sich rauspressen konnte. Das reicht an Argumenten um eine Reise nach Jordanien anderen vorzuziehen. Der mittlere Osten ist für mich das beste Reiseziel für kalte, deutsche Herbsttage rund um den November. Spätestens nachdem ich vor lauter Schönheit völlig verstört aus dem Oman zurück gekommen bin, war die Liebe zu dieser Region besiegelt. Seit dem versuche ich um jedes Jahr ein neues Land kennen zu lernen. Nach den Emiraten und Oman ging es jetzt also nach Jordanien. Zu der schönen Königin Rania, aus der Gala.

Ursprünglich war der Plan, nur Jordanien zu bereisen und einen kurzen Abstecher nach Eilat in Israel zu machen. Im Flieger stellten wir unsere Planung allerdings komplett um und machten es dann so:

Amman-Totes Meer-Wadi Mujib-Petra-Wadi Rum-Eilat (Israel)-Totes Meer (Israelische Seite)-Jerusalem-Amman

Zu Amman habe ich mich ja hier schon zu Haufe offenbart.

Die nächste Station galt dem toten Meer. Irgendwie war ich schon immer geil darauf, wie eine aufgequollene Wasserleiche auf diesem Gewässer zu treiben und endlich setzte ich diese Phantasie in die Tat um. Es fühlte sich noch abgefahrener an, als meine Vorstellungskraft dies zuließ. Da kann man nur hoffen, dass uns dieses einzigartige Naturphänomen länger erhalten bleibt, als aktuell prognostiziert wird. Mit Abstand die schönste Unterkunft bietet hier das Kempinski Ishtar Dead Sea. Bisschen Luxus darf ja wohl auch mal sein.

     

     

Knapp 3 Tage totes Meer. Der Abschied fiel nicht leicht, zu sehr hatte man sich an die tägliche Dosis Schwerelosigkeit gewöhnt. Umso mehr freute ich mich schon auf die israelische Seite, die plötzlich einen krassen Kontrast bot. Der nächste Stopp lautete Petra. Aber nicht ohne Zwischenstopp im Wadi Mujib. Endlich wieder Wadis. Nach krassen Erinnerungen an die Wadis im Oman konnte ich es kaum erwarten, wieder in so einer nassen Felsenschlucht rumzutoben. Anfänglich seicht und ruhig, überrascht dieser Wadi allerdings mit Power. Nix ruhige Becken, hier ist wahres Canyoning angesagt. Mit Seilen kämpft man sich durch den reißenden Fluss bis zu seiner Quelle. Passieren kann hier eigentlich nichts, weil man immer stehen kann, aber ich würde lügen, würde ich sagen, ich hätte hier und da nicht großen Respekt gehabt. Umso spaßiger ist das Ganze!

     

Alleine die Weiterfahrt nach Petra (hier ist ein Auto ein Muss!) war eine Augenweide. Man sieht das ursprüngliche Jordanien. Das tote Meer mit seinen Resorts scheint ganz weit weg. Kurvige Berglandschaften und absolute Ruhe und Abgeschiedenheit bestimmen das Bild. Wir mussten unzählige Male stehen bleiben und den Moment verinnerlichen.

Es lohnt sich immer den Pfad zu verlassen und mal nach links und rechts zu blicken. So wollten wir den Sonnenuntergang fotografieren und erlebten wahre Gastfreundschaft, als wir mit einer Beduinen Familie Tee tranken. Ohne auch nur ein Wort zu verstehen, verstanden wir uns trotzdem. Mit eine der schönsten Erinnerungen von dieser Reise.

Nach Sonnenuntergang kommen wir in Petra an. Und es lässt sich schon bei Dunkelheit erahnen, dass man bei Sonnenaufgang einfach nur staunen wird. Und da lag ich nicht falsch. Für Petra lohnt es sich wirklich früh aufzustehen und sich ausreichend Zeit zu nehmen. Und vor allen Dingen gutes Schuhwerk anzuziehen, denn hier wird wirklich gewandert, vorausgesetzt man ist cool und lässt sich nicht auf einem Kamel in der Gegend kutschieren. Es ist unglaublich, was die Menschenhand hier vor Tausenden von Jahren erschaffen hat.

     

Nach Petra ging es auf zum Wadi Rum. Hiervon versprachen wir uns die nächste gigantische Landschaft, Sonnenuntergänge, die nur die Wüste hergibt und Sternenhimmel, die einen der Winzigkeit seines Selbst bewusst werden ließen. Und all das bekamen wir dort auch. Unendliche Wüstenweite, riesige Felswände, Wadi Rum ist anders.

Genug Dürre. Ab ans Meer. In unter einer Stunde Autofahrt findet man sich in Aqaba wieder, Jordaniens einziger Zugang zu einem “lebenden” Meer. Hier ist es zwar nicht sonderlich schön, aber für ein bisschen Schnorcheln und Meeresluft schnuppern reicht es allemal. Hierfür lohnt es sich definitiv NICHT die Grenze zu überqueren und sich in Eilat niederzulassen, also nur um dort schwimmen zu gehen, vorausgesetzt man macht keine Rundreise ums tote Meer… oder durch Israel… dann kann man hier schon 1-2 Tage verweilen. Ist aber super touristisch, amerikanisiert und nur auf Konsum ausgerichtet. Hier waren wir am Dolphin Reef – der Strand ist mini und restlos überfüllt. Die Israelis sitzen alle gerne auf Plastikstühlen – am Wasser, im Wasser, im Sand. Alles ist quasi voll mit Plastikstühlen. Delphinen so nah zu sein ist aber natürlich was besonderes und den Spaß lassen sich die Betreiber auch gut kosten, nämlich satte 67 NIS pro Nase. Plastikstuhl inklusive. Dennoch sage ich, es lohnt sich, auch wenn es meiner Vorstellung von Strandfeeling nicht nachkommt. Aber wo schwimmen sonst nen Haufen Delphine um einen rum, und das völlig frei und ohne Show?

     

Der Coral Reef Beach, an dem wir uns am Tag drauf niederlassen, ist zwar mindestens genauso überfüllt, aber hier hat man ein bisschen mehr Strandfeeling, jedoch ist man nun Delphine gewohnt. Blöd. Da kann man sich nur mit anderen Fischen beim Schnorcheln ablenken. Nemo statt Flipper.

Auf zum letzten Stopp: Jerusalem! Aber nicht ohne auf der israelischen Seite nochmal im toten Meer zu baumeln. Ganz anders als die felsige Küste auf jordanischer Seite, hat man hier das Gefühl, sich in einer riesigen, mit Salz gefüllten Badewanne zu befinden. Ich muss niemanden überreden, hier nochmal anzuhalten, diesen Drang werdet ihr ohnehin verspüren. Jerusalem wird dem Ganzen noch die Krone aufsetzen und dann geht es nochmal dahin, wo diese faszinierende Reise angefangen hat. Und dann war es das auch schon mit “Einmal um’s Tote Meer”. Vielseitigkeit at its best!

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