BOSNIEN

VOM NATIONALPARK SUTJESKA UND DEM LETZTEN URWALD EUROPAS

Als Kind habe ich mich dezent für meine Heimat geschämt. Ich musste erstmal erwachsen und extrem weise werden, ehe die Scham in Stolz übergehen konnte. Heute schafft es kaum einer, nicht von mir zugetextet zu werden, zu diesem einzigartigen Ort, dem Nationalpark Sutjeska. Klar, zum einen weil genau hier meine Wurzeln liegen und die letzten Erinnerungen an eine unbeschwerte Kindheit, aber vor allem deshalb, weil ich der Ansicht bin, dass der Nationalpark und seine Umgebung richtig viel Fame verdienen.

Durch einen der letzten Urwälder Europas

Es handelt sich um den ältesten Nationalpark in Bosnien und Herzegowina, der sich im Einzugsgebiet der Sutjeska (siehe Foto) auf einer Fläche von 175 km², erstreckt, und ca. 70 km südöstlich von Sarajevo Richtung Montenegro zu finden ist.

Er beheimatet nicht nur Bosniens höchsten Gipfel, den 2.386 m hohen Maglić, sondern auch einen der letzten Urwälder Europas, den Perućica-Urwald, unzählige Bergseen, den 81 m hohen Wasserfall Skakavac und nen Haufen Braunbären und Wölfe. Von allen möglichen Pilz- und Beerensorten mal abgesehen. Kann irgendeiner von euch behaupten, das gewusst zu haben? Ich behaupte mal arrogant: wohl kaum. Übrigens, die Herzegowina, Montenegro und Südkroatien und Dubrovnik sind nur einen Katzensprung entfernt – perfekte Ziele für einen Roadtrip!

Es muss nicht immer die Ferne sein und ein Loch in der Geldbörse, um menschenverlassen und in einer abgefahren schönen Landschaft zu sich zu kommen. Hier findet man zwar keine hippen Cafés und Restaurants, dafür hat man quasi die Garantie, beim Wandern keiner Menschenseele zu begegnen. Außer vielleicht seiner eigenen. Für’s Übernachten zahlt man hier nicht mehr als 10 € und essen kann man für nen 5er wie ein König.

     

     

Im zweiten Weltkrieg war das Gebiet des Parks Schauplatz der „Schlacht an der Sutjeska“, wo sich die jugoslawischen Partisanen und die deutsche Wehrmacht die Köpfe eingeschlagen haben. An diese Geschehnisse erinnert immer noch mehrere Denkmäler im Nationalpark, die es sich durchaus zu besichtigen lohnt. Und einen Hollywood Streifen gibt es dazu auch, nämlich Die Fünfte Offensive – Kesselschlacht an der Sutjeska. Ein bisschen Fame ist wohl doch vorhanden.

Der größte Ort im Nationalpark nennt sich Tjentište und hier findet ihr auch einen Check Point, wo ihr Touren oder vom Nationalpark geführte Unterkünfte buchen könnt. Aber erwartet hier nicht so viel, das Büro ist nicht durchweg besetzt und Touren enden oft privat, weil Gruppen kaum zustande kommen. Ihr könnt hier allerdings überall auf eigene Faust unterwegs sein, bis auf den Perućica-Urwald. Hier muss, wurde mir dort gesagt, ein Guide mit, da es über 3 Stunden quer durch den Urwald geht. Wichtig ist, mit einer Karte ausgerüstet zu sein, da hier nicht immer alles optimal beschrieben ist und man sich durchaus verirren kann. Wir sind diesen Sommer beispielsweise zum Trnovačko Jezero gewandert. Alle Infos zu dieser Route findet ihr: HIER.

Glaubt mir, so viel dichte und wilde Natur habt ihr schon lang nicht mehr gesehen. Wenn ihr die Natur, Wandern, Rafting und die Einsamkeit liebt, dann müsst ihr jetzt dort hin, denn noch ist der Nationalpark Sutjeska ein absoluter Geheimtipp.

3 Kommentare

  1. Super clanak, prelijepe slike, toliko lijepih stvari napisano o nasem prelijepom Nacionalnom parku. Citala sam i ostale clanke, sve pohvale za rad. Samo naprijed!!!

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